Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis

Die Empfehlung, täglich Sonnenschutz zu verwenden, ist in der Dermatologie unumstritten. UV-Strahlung ist die Hauptursache für vorzeitige Hautalterung und erhöht nachweislich das Risiko für Hautkrebs. Dennoch zeigen Studien immer wieder, dass ein Großteil der Menschen Sonnenschutz entweder gar nicht, zu selten oder falsch anwendet. Die Gründe dafür sind vielfältig und reichen von mangelndem Wissen bis hin zu ästhetischen Vorbehalten.

Zu wenig Menge ist das häufigste Problem

Einer der verbreitetsten Fehler ist die Verwendung einer zu geringen Menge. Der auf der Verpackung angegebene Lichtschutzfaktor gilt nur dann, wenn das Produkt in ausreichender Dichte aufgetragen wird. In Studien zu UV-Filtern wird von 2 Milligramm pro Quadratzentimeter Haut ausgegangen. Das klingt abstrakt, entspricht in der Praxis aber ungefähr einem gehäuften Teelöffel für das Gesicht allein. Die meisten Menschen tragen jedoch deutlich weniger auf, was den effektiven Schutz erheblich reduziert.

Einmaliges Auftragen reicht selten aus

Ein weiterer häufiger Irrtum betrifft die Haltbarkeit des Schutzes. Sonnenschutz muss bei anhaltender Exposition alle zwei Stunden erneuert werden, insbesondere nach dem Schwitzen, Baden oder Abtrocknen. Wer morgens vor dem Verlassen des Hauses Sonnenschutz aufträgt und dann den ganzen Tag draußen verbringt, ohne nachzucremen, profitiert nur für einen Bruchteil der Zeit von der angegebenen Schutzwirkung.

UV-Strahlung wirkt auch an bewölkten Tagen und durch Fensterglas. Die Vorstellung, nur im direkten Sonnenlicht geschützt sein zu müssen, unterschätzt die tatsächliche Belastung im Alltag.

UVA versus UVB: Beide Strahlentypen zählen

Der Lichtschutzfaktor, kurz LSF oder SPF, bezieht sich ausschließlich auf den Schutz vor UVB-Strahlung, die Sonnenbrände verursacht. UVA-Strahlung dringt tiefer in die Haut ein, trägt zur Entstehung von Falten und Pigmentveränderungen bei und ist auch für bestimmte Formen der UV-bedingten Hautschäden verantwortlich. Ein vollständiger Schutz erfordert daher Produkte, die beide Strahlentypen abdecken. Hinweise darauf finden sich auf der Verpackung, etwa durch das Kennzeichen UVA im Kreis oder die Angabe eines PPD-Werts.

  • LSF 30 bis 50 reicht für den mitteleuropäischen Alltag in der Regel aus
  • Im Urlaub oder bei intensiver Sonnenexposition höhere Faktoren wählen
  • UVA-Schutz explizit auf der Verpackung prüfen
  • Auf ausreichende Menge beim Auftragen achten
  • Nachcremen nach zwei Stunden oder nach dem Schwitzen nicht vergessen

Sonnenschutz und die dunkle Jahreszeit

Ein Thema, das häufig vernachlässigt wird, ist der Sonnenschutz im Herbst und Winter. Zwar ist die Intensität der UVB-Strahlung in diesen Monaten geringer, UVA-Strahlung jedoch ist das ganze Jahr über präsent. Wer sich täglich auch im Winter schützt, handelt konsequent und beugt kumulativen UV-Schäden vor, die sich über Jahrzehnte aufaddieren und erst im mittleren oder höheren Alter sichtbar werden.